Heute im Blog: Jagd aus Sicht der Berufsjäger im anhaltenden Wandel
- vor 2 Tagen
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Die Jagd in Deutschland befindet sich seit Jahren in einem Transformationsprozess. Besonders interne Faktoren der Jägerschaft führen zu tiefgreifenden Veränderungen. Über Ergebnisse einer wissenschaftlichen Befragung deutscher Berufsjäger

Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt hat Dr. Werner Beutelmeyer bei deutschen Berufsjägern per strukturiertem Fragebogen deren Einschätzung der Entwicklung der Jagd, ihres Bildes vom eigenen Beruf sowie der Erwartungen an die Zukunft ermittelt. Das Ergebnis der jetzigen Wiederholung zeigt, dass sich an den Meinungen und Herausforderungen sehr wenig bis nichts geändert hat.
Die Berufsjäger sehen die Gründe für den Wandel nicht vorrangig in externen Ursachen, etwa einem zunehmenden gesellschaftlichen Druck, wachsenden Naturschutz-Auflagen und veränderten politischen Rahmenbedingungen. Diese Aspekte sind nur zweitrangig. Die traditionelle, hegeorientierte und auf handwerklichen Fähigkeiten basierende Jagd wandelt sich aus Sicht des Berufsstandes vielmehr zu einer wildökologisch motivierten Bestandsregulierung. Damit einher geht eine Neubestimmung des jagdlichen Handwerks und der Rolle der Jäger, so das Ergebnis der Untersuchung.
Zunehmende Technisierung
Ein wesentlicher Punkt ist dabei die zunehmende Technisierung der Jagd, etwa durch Wärmebild- und Nachtsichtgeräte. Die Berufsjäger sehen die Entwicklung teilweise als notwendig an, etwa wenn es um die Eindämmung invasiver Arten geht, sind aber zugleich besorgt, dass traditionelle handwerkliche Fähigkeiten immer mehr Bedeutung einbüßen. Praktische Erfahrung und überliefertes Wissen gehen kontinuierlich verloren.
Dazu passt die Aussage, es gehe bei der Ausbildung des Nachwuchses immer mehr um Masse statt Klasse. Dieser Feststellung stimmen immerhin 80 Prozent der Befragten zu. Viele Berufsjäger verbinden diese Thematik direkt mit den Jagdverbänden, denen sie eher wenig Vertrauen entgegenbringen, wenn es um das Zukunftsthema „Qualitätssicherung bei der Jagd“ geht. Nur zehn Prozent bejahen, dass die Dachverbände die Jagd in die richtige Richtung führen.
Abnehmende Leistungsfähigkeit
Die Regulierung von Wildbeständen wird aus Sicht des Berufsstandes zunehmend schwieriger und der Verlust des Lebensraumes für das Wild größer. Zugleich werden Ausbildung, Motivation und Kompetenz der „freiwilligen“ Jäger kritisch bewertet. Von einem deutlichen Qualitätsverlust ist die Rede. Mögliche Ursachen wie etwa die Ausbildung des Nachwuchses in kurzen Intensivkursen gewerblicher Anbieter werden aber kaum explizit thematisiert. Insgesamt bekommt die Jägerschaft ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Jeweils 89 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die technische Ausstattung der Jäger immer besser wird, aber zugleich ihre jagdliche Leistung eher schwächer, und dass durch unprofessionelle Jagdmethoden das Wild zu sehr beunruhigt wird.
Verständnis der Jagd im Wandel
Dass mehr professionelle Jagd und damit mehr „Berufsjäger“ im Jagdsystem als zukunftswichtig erachtet werden, verwundert angesichts dieser Resultate kaum, ist vielleicht aber auch ein wenig der Tatsache geschuldet, dass eben Berufsjäger befragt wurden. Immerhin 86 Prozent von ihnen stimmen der Aussage zu: „Professionelle Jäger werden immer wichtiger.“
Auf die offene Frage „Was ändert sich derzeit besonders an der Jagd in Deutschland?“ gab es insgesamt 373 Nennungen. Sie wurden ausgewertet und in thematische Cluster eingeordnet. 62 Nennungen beziehen sich auf den verstärkten Einsatz moderner technischer Hilfsmittel. In 39 Antworten geht es um Veränderungen innerhalb der Jägerschaft selbst, etwa Einstellungen, Motivation und Zusammensetzung der Jägerschaft. Genannt werden unter anderem Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Jägern, Veränderungen in der Ausbildung oder ein anderes Verständnis der Jagd als Freizeitaktivität. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass traditionell weitergegebenes Wissen oder praktische Erfahrung seltener geworden sind.
22 Nennungen gehen auf geänderte politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie politische Diskussionen rund um Jagd, Naturschutz und Wildmanagement ein. 18 Äußerungen registrieren Veränderungen im Bereich der Waidgerechtigkeit und jagdlichen Ethik. Dabei wird häufig die Sorge geäußert, dass traditionelle Werte und Normen der Jagd an Bedeutung verlieren könnten. Auch das Wildmanagement und der Waldumbau werden angesprochen. So beziehen sich zwölf Antworten auf steigende Anforderungen an die Regulierung bestimmter Wildbestände, etwa im Zusammenhang mit Waldschutz, Verbissproblematik oder Anpassungen der Wälder an den Klimawandel. In jeweils elf Nennungen geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd, einen möglichen Rückgang der klassischen Hegearbeit bei gleichzeitig wachsender Bedeutung kurzfristiger Abschussziele.
Kleine Lichtblicke
Neben all der Kritik gibt es aber auch kleine Lichtblicke. Die Zustimmung zur Aussage „Die Medien gehen mit den Jägern nicht fair um, vielfach belustigt man sich über Jäger“ hat sich um 27 Prozent abgeschwächt und liegt mit 49 Prozent im Vergleich zu 2013 wesentlich besser. Dies trifft auch zu auf die Behauptung „Die Gesellschaft geht immer kritischer mit Jägern um“. Mit minus 21 Prozent stimmen dieser Beurteilung aktuell 63 Prozent zu. Dieses Ergebnis fällt damit ebenfalls deutlich günstiger als 2013 aus. Nur noch 68 Prozent glauben, dass die Imagepflege und Öffentlichkeitsarbeit der Jäger zu wenig professionell ist. Gut ein Jahrzehnt zuvor waren es 81 Prozent.
Die Werte mögen immer noch alles andere als berauschend sein und die Verbesserungen nur graduell. Sie legen aber die Vermutung nahe, dass die Jäger insgesamt und ihre Verbände sehr wohl erfolgreich in dem Bemühen sind, das Bild von Jagd und Jägern in der Öffentlichkeit positiv zu beeinflussen.
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