Heute im Blog: Über die verschiedenen Lebensstrategien unseres Wildes
- vor 2 Tagen
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In der Natur gibt es die Spezialisten und die flexiblen Generalisten, Arten mit hoher und andere mit niedriger Reproduktionsrate. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensstrategien, sind aber gleichermaßen erfolgreich

Wir kennen das von unseren Hunden. Die Erdhunde bei der Baujagd und mehr noch die Schweißhunde auf der Rotfährte erfüllen ihre Aufgabe mit beispielloser Bravour. Das Einsatzspektrum aber ist eng begrenzt. Deutlich breiter ist das Aufgabenfeld unserer Vollgebrauchshunde, der sogenannten Vorsteher. Mal abgesehen davon, dass sie schon wegen ihrer Größe für die Arbeit unter der Erde nicht geeignet sind, decken sie einen großen Teil der jagdlichen Aufgaben ab. Sie suchen im Feld, stöbern im Wald, apportieren erlegtes Wild und arbeiten ausdauernd im Wasser. Sie sind sogar auf der Schweißfährte einsetzbar. Spätestens aber, wenn eine komplizierte Nachsuche ansteht, möglicherweise mit einer Hetze, ruft der verantwortungsbewusste Waidmann den Spezialisten.
Dieser ist nicht der bessere Hund, auch wenn böse Zungen sagen, der Generalist könne alles, aber nichts richtig. Das ist biologisch betrachtet falsch. Der Spezialist ist dank jahrhundertelanger Leistungszucht nur besser für diesen besonderen Einsatzzweck geeignet. Darin liegt aber auch eine Gefahr. Entfällt aus welchem Grund auch immer die eine Aufgabe des Spezialisten, verliert er seine besondere Daseinsberechtigung.
Jede Art hat ihre ökologische Nische
Was an diesem Beispiel an verschiedenen Rassen innerhalb einer Art erkennbar ist, gilt auch für die Lebensstrategien verschiedener Arten. Jede hat ihre ökologische Nische. Das ist kein Ort oder Lebensraum im Revier, sondern das gesamte Geflecht aus Beziehungen und Wechselwirkungen der jeweiligen Art und ihrer Umwelt. Da sind zum einen die unbelebten Faktoren wie Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit, Licht und Temperatur und zum anderen die belebten Faktoren. Dazu zählen die Beute und die Fressfeinde ebenso wie Parasiten und Konkurrenten.
Das alles zusammen ergibt einen optimalen Lebensraum, die sogenannte Fundamentalnische. Er ist aber nur theoretischer Natur. Denn der tatsächliche Bereich, den eine Art in der Natur einnimmt, die Realnische, ist fast immer kleiner. In ihr lebt, überlebt die Art und pflanzt sich fort. In diesen Nischen gibt es zwei sehr verschiedene Strategien, die Generalisten und die Spezialisten.
Unterschiedliche Anpassungsfähigkeit
Grundsätzlich gilt: Je enger die Nische, desto höher spezialisiert ist die Art und desto gefährdeter ist sie in ihrer Existenz, wenn die Nische sich negativ verändert. Ist ein eng begrenztes Nahrungsspektrum nicht mehr vorhanden oder tritt ein gravierender Wandel des Biotops ein, gerät die zuvor außerordentlich erfolgreiche Art in arge Bedrängnis. Man denke an Luchs und Wildkatze, Fischotter und Raufußhühner.
Ganz anders die Generalisten mit ihrer hohen Anpassungsfähigkeit. Fuchs, Marder, Waschbär und Wildschwein haben ein breites Nahrungsspektrum und sind sehr flexibel in der Habitatwahl. Sie kommen auch in einem urbanen Bereich klar. Sie können unterschiedlichste Ressourcen nutzen. Dass sie auch im menschlichen Umfeld gut leben können, heißt aber nicht, dass Generalisten automatisch Kulturfolger und Spezialisten zwangsläufig Kulturflüchter sind. Das sind zwei völlig getrennte Aspekte, das eine ist die ökologische Nische, das andere der Blick auf das Verhältnis des Wildtiers zum Menschen.
Jede Lebensstrategie hat ihre Daseinsberechtigung. Es geht nicht um besser oder schlechter aus anthropogener Sicht. Das Maß der Dinge ist vielmehr allein die Sicherung des Überlebens der Art, also der Reproduktionserfolg. In der einen Nische ist die sogenannte r-Strategie hilfreich, in der anderen die K-Strategie. Bei der ersten gibt es viele Nachkommen, die nur wenig Brutpflege erhalten und nur eine kurze Lebenserwartung haben. Neben Mäusen und Insekten gilt das auch für den Feldhasen.
Der Reproduktionserfolg entscheidet
Wenn wir nun nach der Getreideernte viele Hasen auf den Stoppeln sehen, ist das noch längst kein sicherer Beleg für hohe Besätze und eine gute Jagdstrecke zum Jahresausklang. Ein nasser Herbst, viele Fressfeinde oder Krankheiten dezimieren den zuvor zahlreich auf die Welt gebrachten Nachwuchs. Immerhin kann eine Häsin pro Jahr rund zehn Junge gebären, deren Lebensraum sich nicht zuletzt durch die landwirtschaftliche Bearbeitung nahezu täglich grundlegend ändern kann.
Über die Masse, kurze Trag- und Aufzuchtzeiten sowie frühe Geschlechtsreife und schnelle Fortpflanzung versuchen also Arten mit r-Strategie ihr Überleben zu sichern. Ihr Vorkommen unterliegt starken Schwankungen, kann in einem Jahr mit guten Bedingungen auch äußerst hoch sein.
Ganz anders Bären oder unser Rotwild, die typische Vertreter der K-Strategie sind. Da geht es nicht um Masse, sondern um Klasse. Sie bringen nur wenige Junge zur Welt und investieren viel Zeit in eine intensive Brut- und Sozialpflege. Entsprechend eng ist die Bindung zwischen Muttertier und Nachwuchs, dessen Überlebenschance so erhöht wird. Zugleich wachsen die Bestände vergleichsweise langsam und sind eher stabil. Andererseits können größere Verluste nur schwer ausgeglichen werden.
Bei aller Rubrizierung der Lebensstrategien von Tieren gilt es zu bedenken, dass es keine starren Grenzen gibt. Kein reines Schwarz oder Weiß, sondern oft ist es ein mehr oder weniger helles Grau. Denn es überleben auch Tiere, die Merkmale beider Strategien kombinieren, etwa mittlere Wurfgröße gepaart mit ausgeprägter, aber zeitlich begrenzter Brutpflege. Will sagen: Es gibt viele Übergänge und Mischformen, die aber fast immer zumindest tendenziell dem einen oder anderen Idealtyp zugeordnet werden können.
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