top of page
logo-stiftung-natur+mensch.png

info@jaegerstiftung.de
Tel.: 02507 / 98 20 45 0
Fax: 02507 / 98 20 45 1

Kontakt

 © 2024 Stiftung natur+mensch - Johannesstraße 5, 48329 Havixbeck

Heute im Blog: Jetzt ist höchste Zeit für die Revierpflege

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Revierpflege ist unerlässlich. Dazu zählt nicht nur das Anlegen von Pirschwegen und Ausbessern von Ansitzeinrichtungen. Oft lässt sich schon mit wenig Aufwand viel für das Wild erreichen. Wer dabei in diesem Jahr noch Gehölzschnitte vornehmen will, für den wird es höchste Zeit


Beitrag anhören (MP3-Audio)

Foto: Sora
Foto: Sora

Hecken sind in der oft weitgehend ausgeräumten Feldflur ein wertvoller Lebensraum für das Wild und viele Insekten. Auch viele Vogelarten sind auf Hecken angewiesen. Sie bieten Deckung, Nahrung und Brutplätze sowie Schutz bei der Aufzucht des Nachwuchses. Je breiter eine Hecke ist, desto besser erfüllt sie diese Funktionen, dazu möglichst noch reich strukturiert mit Unterbrechungen und Ausbuchtungen. Dabei gilt der Grundsatz „oben licht, unten dicht“. Oft ist mit wenigen Handgriffen schon viel gewonnen.


Um das zu erreichen, bedarf es einer Pflege, die zu den nachhaltigsten und effizientesten Hegemaßnahmen für das Niederwild gehört. Probates Mittel ist das sogenannte Auf-den-Stock-Setzen, also der Rückschnitt mit der Motorsäge. Wer das noch machen möchte, muss sich sputen, weil ihm nur noch wenige Tage dafür bleiben. Denn nach Paragraf 39 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen.


Eigenjagdbesitzer sind dabei klar im Vorteil. Sie müssen die Maßnahmen allenfalls mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) absprechen. Alle Revierpächter hingegen brauchen auch die Zustimmung des Grundeigentümers. Den zu finden hilft bei Privateigentum ein Gespräch mit dem Vorstand der Jagdgenossenschaft, bei Flächen in öffentlicher Hand ist die UNB der richtige Ansprechpartner. Hilfreich für die Gespräche ist ein schriftliches Pflegekonzept, ähnlich wie es Hermann Benjes Anfang der 1990er Jahre entwickelt hat. Bei dessen Formulierung hilft im Bedarfsfall der örtliche Förster oder der Landschaftspflegeverband.


Früher wurde aus Hecken immer auch Brennholz oder Holz zum Werkzeugbau gewonnen. Auch wenn diese Funktion längst verloren gegangen ist, haben Hecken oft sehr viele Bäume. Lässt man sie einfach wachsen, beschatten sie die Sträucher irgendwann so stark, dass diese zuerst kümmern und dann verschwinden. Es bleiben zuletzt nur Baumreihen mit wenig Unterwuchs. Saum- und Mantelzone fehlen. Bei Feldgehölzen ist es meistens ebenso.


Schutz, Nahrung und Lebensraum


Für alle Vogelarten im Offenland wie Rebhuhn, Fasan, Kiebitz, aber auch für Junghasen ist das fatal. Greif- und Rabenvögel nutzen die Bäume als Ansitzwarte für überraschende Angriffe oder beobachten die Hennen so lange, bis sie das Gelege entdeckt haben und plündern. Wer dem vorbeugen will, spricht mit dem Flächeneigentümer. Ist der Jagdgenosse eine Privatperson, in der Regel also ein Landwirt, leistet manchmal neben dem Pflegekonzept auch eine Reh- oder Wildschweinkeule, alternativ eine Flasche Hochprozentiger, Überzeugungsarbeit.


Allerdings soll sich kein Jagdpächter wundern, wenn der Grundeigentümer nicht sofort Feuer und Flamme ist. Landwirte haben gute Gründe, ein Vordringen der Gehölze auf ihre Ackerflächen zu verhindern. Sie leben schließlich von deren Ernteertrag. Die Eigentümer asten also oft nur die Bäume auf und entfernen Sträucher. Ansonsten überlassen sie die Hecken und Feldgehölze auch deshalb oft sich selbst, weil sie die Reaktion naturferner Menschen kennen, für die das Fällen eines Baumes in der Feldmark ein vermeintlicher Frevel ist, auf den sie mit Anzeigen und übler Nachrede reagieren. Sie wissen in aller Regel nicht, dass eine Hecke bereits im ersten Frühjahr nach einem Rückschnitt – mag er auch noch so massiv aussehen – zeigt, wie viel Leben in ihr steckt.


Heckenpflege kostet Zeit, Geld und Arbeitskraft


Hat der Revierinhaber die schriftliche Einwilligung des Grundeigentümers, geht er damit zur UNB. Sie begrüßt in aller Regel fachlich korrekte Pflegemaßnahmen und hilft bei der Beantwortung der Frage, ob es Fördermittel für Heckenpflege gibt. Denn eines muss man wissen: Das ganze Unterfangen kostet Zeit, Geld und Arbeitskraft. Wie viel von was genau, hängt davon ab, ob man selbst Hand anlegt oder ein Unternehmen beauftragt. Dabei gilt es, Vielfalt zu schaffen, die meisten Bäume mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern in Brusthöhe in verschiedenen Höhen von 50 Zentimetern bis zu 1,5 Metern abzusägen und anfallendes Astmaterial locker in die Hecke einzuarbeiten. Große und schnellwüchsige Büsche und Sträucher wie Haselnuss, Weide oder früh blühende Traubenkirsche sollten entnommen werden, niedrigwüchsige Arten wie Heckenrose und Heckenkirsche sollten überhaupt nicht auf den Stock gesetzt werden.


Die örtlichen Bedingungen und der Pflegezweck bestimmen, ob eine Hecke am Stück oder in Abschnitten gepflegt wird. Wer Rebhuhn und Wiesenvögeln helfen will, geht die Sache in einem Mal an. Ansonsten ist ein Vorgehen in Abschnitten sinnvoll. Wo niedrig wachsende Sträucher bereits komplett fehlen, können sie im auf die Maßnahme folgenden Frühjahr in die Hecke gepflanzt werden. Denn endgültig fertig ist die Revierpflege nie. Spätestens nach einigen Jahren beginnt die Heckenpflege von vorne.


Weitere Blog-Artikel finden Sie HIER.

 
 
 

Kommentare


bottom of page