Heute im Blog: Immer schlechtere Stimmung in der Landwirtschaft
Wer die Lage der Landwirtschaft allein an den Erntezahlen festmacht, springt zu kurz. Hitze- und Dürrefolgen lassen sich ausgleichen. Viel gravierender und teilweise existenzbedrohend sind weiterhin die Rahmenbedingungen

Die landwirtschaftlichen Familienbetriebe sollen alles gleichzeitig schaffen: Mitten im Klimawandel gesunde Lebensmittel produzieren, hohe Energie- und Düngemittelkosten verkraften, die Biodiversität schützen, das Auf und Ab der Märkte tragen und Strukturbrüche überstehen. Dass dies nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand. Nach wie vor geben pro Jahr bundesweit tausende Betriebe auf. Oft unverschuldet, weil sie mit den vielen Herausforderungen allein nicht mehr fertig werden können.
Deutlich wird das zum Beispiel bei der Erntebilanz des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Auf einem Milchviehhof in Bad Berleburg sprach Hubertus Beringmeier, Präsident des WLV, abseits der saisonalen Ertragszahlen die Schwierigkeiten an, die der Ackerbau hat, um in einer Zeit der klimatischen Veränderungen zu produzieren. Ohne effektiven Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und gezielter Düngung geht es laut Beringmeier nicht. Deutlich kritisierte er pauschale Verbote. Es müsse darum gehen, den Einsatz weiter zu optimieren und neue Wirkstoffe zu entwickeln, um Resistenzen vorzubeugen. Die Vermeidung von Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln ist längst eine der Hauptherausforderungen im Pflanzenschutz.
Anhörung in Berlin zur Düngeverordnung und zum Düngegesetz
Auch die Düngeverordnung und das Düngegesetz, zu denen der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat des Bundestags erst vor wenigen Tagen in Berlin eine öffentliche Anhörung durchgeführt hat, sprach der WLV-Präsident an. Mit Blick auf die diskutierten Regelungen zur Düngeverordnung setzt er auf das Prinzip der Verursachergerechtigkeit. „Pauschale Verbote und flächendeckende Restriktionen, die auch Betriebe treffen, die nachweislich gewässerschonend und ordnungsgemäß wirtschaften, lehne ich ab.“
Hintergrund ist, dass das Düngerecht in den letzten Jahren von der Politik mehrfach geändert wurde und weitreichende Verschärfungen für die Bewirtschaftung gelten. Dass der Gewässerschutz Vorrang hat, sehen auch die Landwirte. Sie brauchen aber eine bedarfsgerechte Düngung, um die Grundlage für viele unserer Lebensmittel zu erzeugen. In Westfalen-Lippe werden nach aktuellen Daten über 930.000 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt. Bei drei Vierteln handelt es sich um Ackerfläche, bei einem Viertel um Grünland. Noch gibt es über 23.000 Betriebe.
Landwirte erwarten noch ungünstigere Preisentwicklung
Existenzbedrohend ist laut WLV wegen der prekären Marktlage und der Strukturveränderungen inzwischen in weiten Teilen die Situation in der Ferkelerzeugung und Schweinehaltung. Ursächlich dafür seien eine ruinöse Preispolitik sowie der Rückgriff auf Importware. Beringmeier: „Der gewünschte Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Haltungsformen wird von der Branche grundsätzlich mitgetragen. Fakt ist aber: Der Auszahlungspreis ist viel zu gering, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten. Wir brauchen jetzt konkrete und wirksame Sofortmaßnahmen, faire Wettbewerbsbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.“
Kein Wunder, dass die Stimmungslage in der Landwirtschaft im Rentenbank-Agrarbarometer 2026 als „überwiegend gedrückt“ beschrieben wird. Die schlechte Stimmung zieht sich nach der Erhebung aus dem Juli dieses Jahres durch alle Bereiche – Milchvieh- und Rinderhaltung, Schweine- und Geflügelhaltung sowie Ackerbau. Negative Einschätzungen für die nächsten zwei bis drei Jahre beruhen auf der Erwartung ungünstiger Preisentwicklungen und der Agrarpolitik.
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