Heute im Blog: Braucht es hauptamtliche Jagd-Präsidenten?
- vor 4 Tagen
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Das Spitzenpersonal der Landesjagdverbände (LJV) und des Deutschen Jagdverbandes (DJV) ist ausnahmslos ehrenamtlich tätig. Im Gegensatz dazu steht die Organisationsstruktur vieler anderer Umwelt- und Naturschutzverbände

Ehrenamtlich – das wird immer wieder despektierlich genutzt, ganz ähnlich wie der Begriff Hobbyjäger von Jagdgegnern. Ausgedrückt werden soll damit eine Einschätzung nach dem Motto „Da ist jemand allenfalls ehrlich bemüht, aber mit mangelnder Qualifikation und weniger Erfolg als möglich“. Dagegen steht der Begriff der Hauptamtlichen, die ihr Metier berufs-, also erwerbsmäßig ausüben. Dass Letztere das besser, sprich kenntnisreicher machen, wird schlicht unterstellt, aber nur selten belegt.
Der wesentliche Unterschied besteht zunächst nur darin, dass die Ausübung einer Tätigkeit im Hauptamt in aller Regel in einem Anstellungsverhältnis erfolgt und dadurch rechtlich in einem Arbeitsvertrag geregelt ist. Ein Ehrenamt ist im Gegensatz dazu eine freiwillige Tätigkeit, die unentgeltlich erfolgt oder allenfalls mit einer meist geringfügigen Aufwandsentschädigung vergütet wird. Es wird nebenbei ausgeübt, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Den festen Willen, diesen Beitrag zu leisten, darf man den jagdlichen Funktionsträgern auf allen Ebenen vorbehaltlos zugutehalten.
Seit mindestens 50 Jahren aber nimmt der Druck auf die Jagd kontinuierlich zu. Mit der Föderalismusreform 2007 ging die jagdrechtliche Zuständigkeit fast vollständig auf die Bundesländer über. War es zuvor vorrangig der DJV-Präsident, der gegen ungewollte Gesetzesnovellen ins Feld ziehen musste, so sind seither die LJV-Spitzen in der Pflicht. An der Struktur der Verbände hat sich gleichwohl nichts geändert. Ihr maßgeblich handelnder Teil ist das ehrenamtliche Präsidium. Dort sitzen die verantwortlichen Köpfe.
Wenngleich sie natürlich in der Tagesarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern unterstützt werden, sind vor allem der DJV-Präsident und die LJV-Präsidenten die handelnden Verantwortlichen. Selbst in der täglichen Arbeit treten die hauptamtlichen Geschäftsführer nur selten nach außen in Erscheinung. Sie und ihre Mitarbeiter stellen feste Erreichbarkeiten, fachliche Standards und eine kontinuierliche Projektbetreuung sicher, unabhängig von der verfügbaren Zeit der Ehrenamtlichen. Die Rollenverteilung ist klar und das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt klar definiert.
Wie organisieren sich die anderen Umweltverbände an der Spitze?
Umweltverbände wie der WWF arbeiten überwiegend mit hauptamtlichen Vorständen. Greenpeace verzichtet auf ein klassisches ehrenamtliches Verbandspräsidium und wird durch eine hauptberufliche geschäftsführende Doppelspitze mit starker Medienpräsenz geleitet. Der Nabu hat einen Präsidenten in einer hauptberuflichen Vollzeit-Position. Der Vorsitzende des BUND arbeitet auf Bundesebene hauptberuflich in einem Wahlamt. Dazu kommen Umweltvereine, die sich durch medial stark begleitete juristische Klagen profilieren, wie etwa die Deutsche Umwelthilfe. Dort liegt die politische und mediale Wirkungskraft bei hauptamtlichen Geschäftsführern, die in der Öffentlichkeit wie die eigentlichen Vorsitzenden und primären Sprecher wahrgenommen werden. Anders ist das bei der Naturschutzinitiative e.V., die vielfach als Kläger in Naturschutzfragen auftritt, wie etwa gegen den behördlich verfügten Abschuss des auf Sylt gesichteten Goldschakals. Die auf der Webseite aufgeführte Liste weiterer Klagen wie im Zusammenhang mit Straßenbau, der Erschließung von Industrie- und Gewerbegebieten oder der Errichtung von Windindustrie- und Freiflächenphotovoltaikanlagen, lässt schon auf ein operatives Vollzeit-Management schließen.
Suche nach Spitzenkräften
Für die organisierte Jägerschaft aber stellt sich die Frage, ob sie mit ihrer Struktur langfristig standhalten kann und den Herausforderungen gerecht wird. Lassen sich so die erforderlichen Spitzenkräfte gewinnen und können diese dann auch ihre Stärken voll zur Entfaltung bringen? Die Alternative könnte nur eine Professionalisierung durch hauptamtliche Präsidenten/Vorstände sein, ein Konzept, das bei anderen Umwelt- und Naturschutzverbänden wie geschildert längst umgesetzt ist.
Das Ehrenamt bietet sicher persönliche Erfüllung, Flexibilität, neue soziale Kontakte und die Möglichkeit, eigene Stärken abseits des Berufsalltags einzubringen. Auf der Ebene der Hegeringe und Kreisjägerschaften ist das bestimmt ausreichend. Und Respekt haben alle Ehrenamtlichen allemal für ihren Einsatz verdient. Aber wenn es um gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung bis hin zu Gesetzgebungsverfahren geht, steht nicht das persönliche Glücksgefühl im Vordergrund. Da braucht es vielmehr neben thematischer Sattelfestigkeit gehöriges rhetorisches Vermögen, Überzeugungskraft und Verhandlungsgeschick. Und dann muss der Verband auch noch nach innen zusammengehalten werden.
Ehrenamt braucht Zeit und Geld
Damit einher geht erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand, den nur wenige in die Verbandsarbeit einbringen können. Jeder Arbeitnehmer in einem beruflichen Anstellungsverhältnis sicher nicht. Da bleiben dann meist nur noch Selbstständige, Freiberufliche, Unternehmer und Rentner/Pensionäre oder Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Aber sind das auch zwangsläufig die Besten für die vielfältige Interessenvertretung der Jägerschaft? Zumindest Zweifel sind angebracht.
Das jagdliche Spitzenpersonal wird ausnahmslos auf den Landesjägertagen und auf dem Bundesjägertag von den Mitgliedern aus den eigenen Reihen gewählt. Aber mit den Aufgaben steigen offenbar auch die Anforderungen – allein schon zeitlicher Art durch die ständig angefragten Termine. Absagen lösen dann mitunter Ungeduld unter den Mitgliedern aus, weil die Mitgliederversammlungen auf lokaler Ebene wie den Kreisjägerschaften in einem engen Zeitfenster zu Beginn des Jagdjahres stattfinden. Gleichzeitig sind die Präsidenten in den Hauptstädten des Landes gefragt, wenn es um Gesetze und Regelungen geht. Früher waren Präsidenten über Jahrzehnte in Amt und Würden. Das scheint sich in einigen Teilen des Landes zu ändern.
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