Heute im Blog: Kanzler und Kabinett müssen Kurs halten
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Gedanken, Anmerkungen und Beobachtungen mit dem Blick aufs Land und auf die Bundespolitik

Liebe Leserinnen und Leser!
In unserer Wochenkolumne blicken wir zunächst auf die Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg, wo sich Kanzler und Minister bemerkenswert einig und engagiert zeigten, trotz vielfältiger Kritik am vereinbarten Reformkurs festzuhalten. Wie tragfähig dies am Ende ist, bleibt vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahl in Sachsen-Anhalt allerdings offen. Ein Thema, das die Menschen gerade im ländlichen Raum momentan stark bewegt, ist die anhaltende Hitze verbunden mit der Gefahr von Waldbränden. Was solch verheerende Feuer für Mensch und Natur bedeuten können, zeigten jüngst die Ereignisse im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald und im ostbelgischen Hohen Venn. Damit beschäftigen wir uns ausführlich in unserem Blog und beleuchten dabei auch die vielfältigen Möglichkeiten von Prävention – von Waldumbau bis hin zu speziellen Verhaltensregeln für Jäger.
Gespannt blickt man in Berlin und im Rest der Republik auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am nächsten Wochenende. Dort könnte die AfD erstmals die absolute Mehrheit und damit das Amt des Regierungschefs erringen. Für die gesamte Republik und nicht zuletzt für die schwarz-rote Koalition in Berlin wäre dies ein tiefer Einschnitt. Entsprechend nervös sind die Spitzen von Union und SPD. Hier drohen Zerreißproben bis hin zu möglichen Führungswechseln. Vor diesem schwierigen Hintergrund ist es umso bemerkenswerter, wie vergleichsweise harmonisch und zielorientiert die jüngste Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg verlief. Man verbreitete Zuversicht und bestätigte die großen Reformvorhaben, nicht zuletzt beim wichtigen Thema Rente. Das gilt auch für das Treffen der Fraktionsspitzen der Koalition am Donnerstag und Freitag in Münster mit demonstrativen Fotomotiven der Harmonie und Geschlossenheit von Frei (CDU), Miersch (SPD) und Hoffmann (CSU). Ohne die Zustimmung mit der Regierungsmehrheit im Parlament sind die geplanten Reformen nicht umzusetzen.
Friedrich Merz stellte sich in Schloss Neuhardenberg klar gegen die Forderung von drei CDU-Ministerpräsidenten, an der Rente mit 63 festzuhalten. Für Merz birgt diese Konfrontation angesichts bevorstehender Wahlen in Ostdeutschland einige Risiken. Gleichwohl verdient er dafür Anerkennung. Nur wenn die Koalition als Ganzes den großen Wurf bei den Sozialreformen wagt, kann sie am Ende Erfolg haben. Insofern war das Treffen in Neuhardenberg für die Koalition, aber auch für den Kanzler persönlich ein Erfolg. Ob dieser Erfolg tragfähig ist, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, wenn die Wahlergebnisse in Ostdeutschland vorliegen und die geplante Rentenreform in den Gesetzgebungsprozess kommt.
Vom Kanzler wird Klartext erwartet
Von Merz wird jetzt in der entscheidenden Phase der Koalition Klartext erwartet – im Reden und vor allem auch im Handeln. Dass der Kanzler so etwas grundsätzlich kann, hat er Anfang der Woche bei einem Besuch im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald gezeigt. Merz war zuvor vielfach kritisiert worden, weil er seinen Urlaub angesichts der Brände nicht abbrach und sich im Krisengebiet zeigte. Entsprechend unfreundlich verlief auch der Empfang im Hürtgenwald, als er von Anwohnern ausgepfiffen wurde. Merz ließ sich davon erfreulicherweise nicht beeindrucken. Er sprach von einer bewussten Entscheidung. Sein Ziel sei es gewesen, dass die Einsatzkräfte in Ruhe ihren Job machen könnten. Genau dies erwarten die Bürger von einem Regierungschef: weniger Show, mehr Substanz. Der örtliche Landrat stimmte Merz hier ausdrücklich zu. Und besonders treffend brachte es ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Hürtgenwald auf den Punkt, als es sich gegenüber dem WDR empört über die Buhrufe und Pfiffe zeigte: „Diejenigen, die rufen und pfeifen, sollten die negative Energie in eine positive umwandeln und Mitglied bei der Feuerwehr oder beim THW werden“, so der Feuerwehrmann. Recht hat er.
Ohne Ehrenamtliche geht nichts
Ohne das große Engagement und den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Brandbekämpfung in Deutschland ebenso wenig möglich wie viele andere Dienste für das Gemeinwohl. Der häufig zitierte Spruch „Was nichts kostet, ist nichts wert“ stellt die Dinge an dieser Stelle auf den Kopf. Ehrenamtliche leisten „für nichts“ etwas ungemein Wertvolles. Ohne sie würde das Land an wichtigen Stellen auseinanderbrechen. Dafür verdienen sie unser aller Dank und Respekt sowie jede mögliche Form an Solidarität.
Der kürzliche Einsatz der Feuerwehren im Hürtgenwald war wegen der Dimension des Feuers besonders spektakulär. Entsprechend groß war die öffentliche Aufmerksamkeit bis hin zum Besuch und den Dankesbekundungen des Kanzlers. Ebenso wichtig sind aber auch die vielen kleinen Einsätze, die die Freiwilligen absolvieren, um noch Schlimmeres zu vermeiden. Gerade auf dem Land ist dieses Engagement extrem wichtig. Ein kleines Beispiel unter vielen: Kürzlich kam es in meiner Heimat zu einem Brand einer Ballenpresse. Durch Trockenheit und leichten Wind entwickelte sich das Feuer in Richtung eines angrenzenden Waldes und der nahe gelegenen Heidefläche. Schnell brannten drei Hektar Stoppelfeld mit Strohballen und Presse sowie 2000 Quadratmeter Wald. Zusammen mit Freiwilligen Feuerwehren aus fünf angrenzenden Ortschaften und einigen Landwirten konnte der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden. So soll es sein. Nicht lange reden, sondern zügig mit anpacken – eine Devise, die im ländlichen Raum vielerorts gerne gehört und beherzigt wird. Auch die Berliner Politik sollte sich bei ihren Reformvorhaben häufiger mal darauf besinnen.
Folgen für Tier- und Pflanzenwelt
Bei all den spektakulären Bildern über Waldbrände geht oft unter, wie verheerend solche Ereignisse für die betroffene Tier- und Pflanzenwelt sein können. Beispiel ostbelgische Hohe Venn, wo kürzlich mehr als 3000 Hektar Hochmoor- und Heidefläche brannten. Das Hohe Venn gilt nicht nur als Heimat für größeres Wild wie Hirsche und Rehe, sondern auch für Wildkatzen, das seltene Birkhuhn und für teils sehr seltene Schmetterlings- und Libellenarten. Deren weiteres Schicksal ist jetzt ungewiss.
Umso wichtiger ist Prävention. Dazu gehört auch der Waldumbau. Die vielerorts immer noch dominierenden Kiefern brennen sehr stark. Fachleute sind sich einig, dass das Pflanzen von Laubbäumen die Wucht des Feuers in einem Nadelwald deutlich senken kann. Es kommt hier auf die richtige Mischung an. Besonders gut sind in diesem Zusammenhang Eichen, aber auch andere Arten wie Buchen. Mischwälder kühlen zudem den Boden, fördern die Grundwasseranreicherung, überstehen Stürme besser und sind widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen. Dass sich Wild dort gerne aufhält, sollte Jäger und andere Naturfreunde zusätzlich freuen. Denn beides gehört nun mal gleichberechtigt zusammen: Wald und Wild.
Auch für Jäger gibt es wichtige Regeln, wie sie sich in Zeiten drohender Waldbrände im Revier verhalten sollten. Dazu gehört, niemals Autos über trockenem Gras oder Laub abzustellen, denn heiße Auspuffteile können die Vegetation leicht entzünden. Außerdem: konsequenter Verzicht auf Tabakwaren im Wald bei Trockenheit. Pirsch- und Waldwege sollte man keinesfalls mit dem Ansitzmobil blockieren, damit Feuerwehr und Rettungskräfte freie Fahrt haben. Rauchentwicklung oder Brände sind sofort an die Notrufnummer 112 zu melden.
Tiere mit unterschiedlichen Lebensstrategien,
Zum Schluss noch ein Ausblick auf die kommende Woche: Unser Newsletter erscheint ab kommendem Samstag nach den Sommerferien wieder wöchentlich. Unsere Blogbeiträge mit Themen rund um die Jagd und den ländlichen Raum setzen wir regelmäßig mit jeweils neuen Artikeln fort. Am Dienstag wird unser Christoph Boll das komplexe Beziehungsgeflecht beleuchten, in dem Wildtiere ihren Bestand sichern. Jede Art hat ihre ökologische Nische, aber nicht jede Art passt in jede Nische. In der Natur gibt es die Spezialisten und die flexiblen Generalisten, Arten mit hoher und andere mit niedriger Reproduktionsrate. Hier Luchs und Wildkatze, dort Fuchs und Waschbär oder eben Feldhase und Rothirsch. Sie alle haben sehr unterschiedliche Lebensstrategien, sind aber gleichermaßen erfolgreich. Dabei wird auch deutlich werden, dass es bei der Betrachtung nicht um die menschlichen Kategorien und Bewertungen von besser oder schlechter geht, sondern allein um die Überlebenssicherung der jeweiligen Art.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen gelungenen Start in eine für Sie positive Woche.
Mit besten Grüßen
Ihr Jürgen Wermser
Koordination und Redaktionsleitung



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