Heute im Blog: Unpassendes Theater um Timmy, den Buckelwal
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Das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater inszeniert die Rettungsversuche für den Buckelwal Timmy als moderne Passionsgeschichte. Das ist geschmacklos

Ein Theaterstück wie eine katholische Messe – mit Weihrauch und anderen religiösen Ritualen, mit „Wal-leluja“ statt Halleluja und sogar mit einer Kreuzigung: So widmet sich das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater dem weiblichen Buckelwal Timmy. Das anarchische Stück „Die Hope stirbt zuletzt“ wird als moderne Passionsgeschichte inszeniert, mit einem Tier als Erlöserfigur. Der „Spiegel“ nennt es einen „sakralen Ulk“. Wie ist das Stück zu bewerten?
Ein Rückblick: Im Frühjahr entfachte Timmy, wie Journalisten den Buckelwal nannten, einen ungewöhnlichen Medienhype. Im März strandete das Meerestier erst auf einer Sandbank vor Niendorf beim Timmendorfer Strand an der Ostsee und danach in der Wismarbucht vor der Insel Poel. Trotz mehrerer Rettungsversuche starb der Wal.
Die richtigen Fragen gestellt
Regisseur Alexander Klessinger stellt die richtigen Fragen, die auf der Homepage des Ernst-Deutsch-Theaters nachzulesen sind: „Warum können einzelne Geschichten eine ganze Gesellschaft in ihren Bann ziehen? Warum werden manche Ereignisse zu Symbolen, während anderes Leid kaum vergleichbare Aufmerksamkeit erfährt? Und weshalb entstehen aus Nachrichten plötzlich Rituale, Hoffnungen und Erzählungen, die weit über das eigentliche Ereignis hinausweisen?“
Aber um darauf Antwort zu geben, muss man nicht einen katholischen Gottesdienst satirisch nachstellen. Provokation gehört zwar zur Kunst und zum Theater, um Aufmerksamkeit zu erregen. Doch diese Inszenierung geht zu weit; sie ist geschmacklos. Sich der kirchlichen Bildsprache zu bedienen, passt nicht. Es bringt auch keinen höheren Erkenntnisgewinn, wenn Regisseuren nichts mehr heilig ist. „Bei uns wird nicht irgendein Opfer verehrt, sondern der Erlöser der Menschheit“, erklärt der katholische Theologe Joachim Valentin aus Frankfurt zu Recht.
Verfehlte Dimensionierung
Auch der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards hält die Übertragung des Kreuzestodes auf den Wal von der Dimensionierung her für verfehlt. Für Christen, so Gerhards, ist der Tod Jesu ein einmaliges Geschehen. Werde dieses Motiv auf andere spektakuläre Leidensgeschichten übertragen, drohe seine spezifische religiöse Bedeutung beliebig zu werden.
Dennoch haben die Kirchen einen guten Grund, nicht allzu laut zu protestieren und von Blasphemie zu sprechen. Denn dann droht der sogenannte Barbara-Streisand-Effekt: Die kritisierte Inszenierung erhält mehr öffentliche Aufmerksamkeit, als sie verdient.
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